
Andy Eyring (Bergamont): Mit Platz 16 bei der Weltmeisterschaft Ziel erreicht
Fast wäre der Start des Münnerstädter Mountainbikers bei seiner letzten U23-Weltmeisterschaft im schweizerischen Champéry einer Erkältung zum Opfer gefallen. Doch der Sportsoldat kämpfte wacker
Optimal lief die Vorbereitung des Münnerstädter Mountainbikers Andy Eyring auf seine letzte Weltmeisterschaft in der U23-Klasse: nach einem Formtief im Frühjahr, verursacht durch eine zu harte Straßen-Rundfahrt, fand der Sportler vom RWV Haselbach rechtzeitig zu den internationalen Saison-Höhepunkten zu seiner alten Stärke zurück: beim Weltcup-Finale im norditalienischen Val di Sole, zwei Wochen vor der Weltmeisterschaft in Champéry, belegte der Sportsoldat den exzellenten 12. Platz - und das unmittelbar aus einem harten Trainingslager heraus. "Bei der Weltmeisterschaft geht noch mehr", war sich der 22-jährige Franke damals sicher. Um weiter an seiner Spritzigkeit zu arbeiten, nahm Eyring an der Swiss Bike Trophy teil, einem kurzen, aber intensiven Rennen in der Berner Innenstadt, rund um das Schweizer Bundeshaus. Doch das stellte sich unter Umständen im Nachhinein als großer Fehler heraus: ein heftiges Gewitter tobte fast während des gesamten Rennens und durchnässte Sportler, Funktionäre und Zuschauer gleichermaßen bis auf die Knochen. "Während des Rennens habe ich natürlich nicht gefroren, danach aber schon", erinnert sich Eyring heute. Die Folge: eine heftige Erkältung. "Zunächst habe ich versucht, mit Tabletten schlimmeres zu verhindern", so der ehemalige Deutsche U23-Meister vom Team Bergamont. Zunächst war es der Hals, am Mittwoch vor dem WM-Rennen machte dann die Naser zu. "Ich habe schlecht geschlafen, erst am Freitagmorgen ging es etwas besser", so Eyring. Doch Freitag war schon Renntag für die Nachwuchsklassen. "Ich habe aber gleich gemerkt, dass die Spritzigkeit weg war, und während ich meinen Maximal-Puls nicht hoch bekam, war der Ruhepuls umso höher." 65 Schläge in der Minute: für einen Durchschnittsmenschen durchaus normal, für einen Leistungssportler, dessen Herz in Ruhe nur 45 Mal schlagen muss, ungewöhnlich hoch - ein deutliches Zeichen dafür, dass im Körper etwas nicht stimmt.
Doch Eyring wollte unbedingt starten. "Und ich wusste, ich muss von Anfang an schnell sein: wenn ich nicht schnell genug nach vorne komme, stehe ich bei der Einfahrt in den ersten Singletrail im Stau. Ich habe alles investiert." Mit Startnummer 45 ins Rennen gegangen, passierte Eyring die Ziellinie nach der Startrunde als 19.. "Doch danach ging gar nichts mehr. Selbst im Flachen bin ich kaum hinterher gekommen, am Berg schon gleich gar nicht. Ich fühlte mich kraftlos, konnte nicht mal im Stehen richtig antreten." Eyring fiel wieder zurück, bis auf Platz 22. "Und plötzlich, in der dritten Runde, fühlte ich mich wieder frei." In der vierten Runde konnte Eyring sogar die achtbeste Rundenzeit für sich verbuchen - trotz eines kleinen Sturzes: "Ich bin auf einer der vielen schrägen Wurzeln weggerutscht", berichtete Eyring später: "Ich war am Hinterrad eines Konkurrenten, habe kaum die Strecke vor mir gesehen, dabei ist es passiert." Eyring verbog sich dabei seinen Lenker - nichts wildes, aber doch Grund genug, in der nächsten Technik-Zone anzuhalten und die Sache von den Mechaniker der Nationalmannschaft in Ordnung bringen zu lassen. Beim Start hinaus auf die Strecke passierte dann das Malheur: Eyring übersah einen heranjagenden Australier, der nicht mehr bremsen konnte und in Eyrings Hinterrad krachte: während der Franke weiterfahren konnte, stürzte der Australier und verlor wertvolle Zeit. "Aber durch die Pause war ich aus dem Rhythmus gekommen, ich fühlte mich wieder kraftlos und leer", so Eyring. Am Ende verlor er noch den 15. Platz an Paul van der Ploeg, den Australier, den er zuvor behindert hatte, und musste sich mit dem 16. Platz zufrieden geben. "Unter Strich hat es aber doch noch geklappt - es war eine ordentliche Schadensbegrenzung", freut sich Eyring über sein Ergebnis. "Natürlich bin ich auch enttäuscht: ich war in der Form des Jahres. Aber unter diesen Bedingungen ist ein 16. Platz bei einer Weltmeisterschaft ein gutes Ergebnis."
Jetzt stehen für Andy Eyring noch zwei große Rennen im Kalender: die letzten beiden Wettkämpfe der Internationalen Mountainbike-Bundesliga in Heubach in der Schwäbischen Alb und Bad Salzdetfurth südlich von Hannover. "Aber nur, wenn ich gesund bin", schränkt der Bergamont-Fahrer ein. "Aber eigentlich will ich schon nochmal zeigen, dass ich eine wirklich gute Form habe."
Text: Armin M. Küstenbrück
Photos: Armin M. Küstenbrück / Marius Maasewerd